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AUSGABE: 08/2017

Fotos: Mark Zahel | Text: Michaela Friz

Immer mehr Menschen legen in ihrer Freizeit wert auf Ruhe und sanften Tourismus. Hier setzt die Idee der "Bergsteigerdörfer" an.

Wanderer auf BergwieseDie Veränderungen in der Gesellschaft sorgen auch für einen Wandel in den Alpen. Immer mehr „verschlafene“ Orte erkennen ihre vermeintliche wirtschaftliche Schwäche als zukunftsträchtige Stärke. Sie positionieren sich als Alternative zum alpinen Ballermann. Intakte Landschaften statt Pistenraubbau, kleine Hotels statt XXL-Bettenburgen, ruhige Lage statt Events. Der Österreichische Alpenverein formte aus dieser Idee das Label „Bergsteigerdörfer“, das nach sehr strengen Kriterien vergeben wird und Dörfer mit gelebter alpinistischen Tradition in ihrer Vermarktung unterstützen soll. Das Label bietet naturnahen Touristen einen schnellen Überblick über für sie in Frage kommende Regionen und Bergdörfer und ähnelt damit dem Prinzip der Bio-Hotels. Aktuell gibt es 21 mit dem Siegel ausgezeichnete Orte, die meisten davon liegen in den österreichischen Ostalpen, jeder ist auf seine eigene Art speziell. Inzwischen wurde mit Ramsau das erste Bergsteigerdorf in Deutschland zertifiziert.

Als der bergbegeisterte Fotograf und Autor Mark Zahel auf die Initiative des Österreichischen Alpenvereins stieß, trug er schon lange die Idee eines Bildbands über attraktive Berg- dörfer mit sich herum. Aus einer Idee wurde ein Konzept und aus einem Konzept ein Buch: Im Juni kam „Bergsteigerdörfer. Berge erleben, wo die Alpen noch ursprüng- lich sind“ auf den Markt (TyroliaVerlag, 34,95 Euro). Die großartige Palette an Wander- und Tourenmög- lichkeiten rund um die 21 alpinistischen Kleinode werden hier von Zahel erstmals ausführlich vorgestellt.

Idyllischer BergseeWir haben Mark Zahel ein paar Fragen gestellt – was gar nicht so einfach war, denn die meiste Zeit ist er tatsächlich in den Bergen unterwegs und daher tagsüber nicht erreichbar. Vor dem Aufbruch zur Tagesetappe und noch vor dem Frühstück hat es dann doch geklappt:

 

sportslife: Guten Morgen, Herr Zahel. Welches ist Ihr persönliches Lieblings-Bergsteigerdorf und was ist daran so besonders?

Mark Zahel: Schwer zu sagen, vielleicht Vent im Ötztal, weil sich damit eine persönliche Initialzündung verbindet vor 23 Jahren. Außerdem liegt es sehr hoch, inmitten von Dreitausendern.

sportslife: Wann und wieso genau poppte bei Ihnen die Idee auf, einen Bildband über Bergdörfer zu gestalten?

Hütten in BerglandschaftMark Zahel: Meine Idee ging vor etlichen Jahren zunächst von Bergdörfern allgemein aus, dann kam die Initiative vom Alpenverein mit den im Buch beschriebenen Kriterien. Das hielt ich dann für noch griffiger.

sportslife: Sie schreiben darin, dass sich die Grundwerte der Bergsteigerdörfer mit Ihren eigenen Vorstellungen decken. Welche sind das?

Mark Zahel: Kurz gesagt: naturverträglicher Tourismus ohne Inszenierungen und Massenerschließungen, sondern ausgerichtet auf das Erleben durch individuelles Bergsteigen.

sportslife: Was macht denn die Faszination Bergsteigen für Sie aus?

Mark Zahel: Großartige Landschaften, Draußensein in der Natur, Freiheit …

sportslife: Was hat Ihre Liebe zur Bergwelt geprägt? Wie kam es dazu?

Mark Zahel: Durch Ausprobieren als junger Erwachsener. Ein gewisser Verdacht, dass es sich um eine Wanderer im Nebelgroßartige Sache handeln könnte, war vorhanden (lacht).

sportslife: Haben Sie mal darüber nachgedacht, einen Wanderführer zu schreiben? Ihre Routen sind sehr anschaulich beschrieben. Um das Buch auf eine Tour mitzunehmen, wäre es aber viel zu schwer und unhandlich.

Mark Zahel: Ja, ich arbeite ständig an irgendwelchen Wanderführern. Bisher habe ich rund 60 Bergbücher veröffentlicht, die meisten davon sind Tourenführer.

sportslife: Sechzig? Respekt! Haben Sie schon ein neues Projekt im Sinn?

Mark Zahel: Ja, aktuell arbeite ich an mehreren Wanderführern gleichzeitig. Über den Sommer wird alles erkundet und im Winter geschrieben.

sportslife: Vielen Dank, Herr Zahel! Dann wünschen wir Ihnen jetzt einfach noch eine schöne Tour.

Da die Alpen je nach Quelle ca. 190.000 bis 200.000 Quadratkilometer umfassen, bleiben Mark Zahel auf jeden Fall noch genügend weiße Flecken, die er entdecken und als Wanderführer aufbereiten kann. Wir halten euch auf dem Laufenden!

 

Buch: Bergsteigerdörfer

Lesetipp
Mark Zahel: Bergsteigerdörfer. Berge erleben, wo die Alpen noch ursprünglich sind.

240 S., 266 farb. Abb. und 21 Übersichtskarten; 21 x 27 cm, gebunden mit Schutzumschlag; TyroliaVerlag, Innsbruck-Wien 2017; ISBN 978-3-7022-3595-6; 34,95 Euro

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