sportslife

AUSGABE: 05/2018

Text: Lesley-Ann Kern

Wieso Zähne und Kieferbereich für sportliche Höchstleistungen so wichtig sind.

Die deutschen Eishockey-Herren haben es bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang bewiesen: Zähne zusammenbeißen lohnt sich! Mit einer unerwarteten Silbermedaille im Gepäck kehrte unsere diesjährige Olympia-Überraschung wieder zurück in die Heimat. Doch abseits vom Medaillenerfolg kämpfen gerade Eishockeyspieler mit weit mehr als nur der gegnerischen Mannschaft. Der harte Sport geht nämlich nicht nur an die Substanz, sondern auch an die Zähne.

Über das zahnlose Grinsen eines Eishockeyspielers mussten wir vermutlich alle schon einmal schmunzeln. Dass dahinter jedoch ein ernst zu nehmender Verletzungsaspekt des körperbetonten Sports steckt, ist dabei nicht jedem bewusst. Einer Statistik nach verlieren beispielsweise Profispieler der National Hockey League (NHL) durchschnittlich fünf Zähne pro Saison. Deshalb reisen viele Hockey-Teams mit eigenem Zahnarzt an – Behandlungsstuhl inklusive. Auch im Profifußball geht es um den Zahn: So warnt Dr. Markus Merk, gelernter Zahnarzt und ehemaliger FIFA-Schiedsrichter, davor, Erkrankungen im Mundraum auf die leichte Schulter zu nehmen, da sie sich nachhaltig auf die sportliche Leistung des Betroffenen auswirken können.

Sportler gehen öfter auf dem Zahnfleisch, als sie denken

Unsere körperliche Gesundheit ist der Grundstein unserer sportlichen Leistungsfähigkeit. Dass eine unentdeckte Wurzelentzündung dabei mindestens so schwerwiegend wie ein Muskelfaserriss sein kann, ist jedoch den wenigsten bewusst. Allein schon das klassische „Zähnezusammenbeißen“ bei der besonders steilen Etappe einer Radtour oder den letzten Metern eines Sprints setzt unserem Körper zu. Einerseits werden hierdurch die Zähne besonders schnell abgenutzt, gleichzeitig verkrampft nicht nur die Kiefermuskulatur, sondern meist der gesamte Nackenbereich und im schlimmsten Falle sogar der Rücken. Auf Dauer können hier chronische Rückenschmerzen die Folge sein. Doch nicht nur Verkrampfungen, sondern auch kleinste Entzündungen können auf Dauer der Leistungsfähigkeit schaden. Ganz vorne dabei: die Zahnfleischentzündung Parodontitis, umgangssprachlich auch Parodontose genannt. Sie wird durch Zahnbelag oder Bakterien ausgelöst, die der Körper zu bekämpfen versucht – durch eine Entzündung des oberflächlichen Zahnfleisches (Gingivitis). Dauert diese länger an und breitet sich auch in tiefere Schichten der Schleimhaut aus, wird eine Parodontitis diagnostiziert. Da hierdurch ein Rückgang des Zahnfleischs in Gang gesetzt wird, kann eine Langzeitfolge die Lockerung einzelner Zähne bis hin zu ihrem Verlust sein. Auch der restliche Körper wird durch die dauerhafte Belastung durch  Entzündungsbakterien geschwächt und anfälliger für Krankheiten. Gerade für Leistungssportler kann das  Ausfälle im Wettkampf, im schlimmsten Falle sogar das Karriere-Aus bedeuten. Britische Forscher führten 2012 im Rahmen der Olympischen Spiele von London eine umfangreiche Studie durch, die sich mit der Mundgesundheit von Athleten aller Sportarten auseinandersetzte. Die Ergebnisse waren nicht überraschend: Bei mehr als der Hälfte aller untersuchten Sportler wurde Karies festgestellt, und 18 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Mundgesundheit einen negativen Einfluss auf ihre sportlichen Leistungen habe. Besonders überraschend: Fast die Hälfte aller Athleten konnte innerhalb der letzten 12 Monate vor den Olympischen Spielen 2012 keine medizinische Untersuchung der Zähne vorweisen.

Das Problem bei der Wurzel packen

Längst schon haben Sportverbände erkannt, dass gesunde Athleten am leistungsfähigsten sind. Deshalb wird verstärkt auf eine umfassende medizinische Betreuung der Sportler geachtet, im Training ebenso wie während des Wettkampfs. Dass dabei auch die Zahngesundheit in den Alltag der Profis eingegliedert werden muss, bestätigt der Sportdirektor des Fußballvereins RB Leipzig, Ralf Rangnick, im Interview mit dem Online-Magazin ZWP: „Der enge Zusammenhang zwischen Problemen im Zahnbereich und Muskelverletzungen ist evident und schon länger bekannt.“ So endete beispielsweise Franck Ribérys Verletzungsodyssee, als man sich einer Entzündung im Kiefer annahm, und dem ehemaligen Schalker Emile Mpenza half eine Weisheitszahn-OP dabei, andauernde und unerklärliche Verletzungen loszuwerden. Auch die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ist ein Anlass für viele Trainer, schon im Vorfeld mögliche Verletzungsrisiken zu minimieren. Während seiner Vorbereitung in Südtirol (23.5.2018–8.6.2018) wird der deutsche Kader nicht nur auf dem modernen Trainingskomplex des AFC Girlan trainieren, sondern auch eine umfassende medizinische Versorgung erhalten. Das Gleiche gilt für den Aufenthalt im russischen Quartier in Watutinki nahe Moskau: Hier sind laut DFB „Spa-, Fitness- und Regenerationsbereich sowie sämtliche benötigte Funktionsräume, die individuell auf die Bedürfnisse der Mannschaft eingerichtet und ausgestattet werden“, vorhanden.

Doch nicht nur Physiotherapeuten und Trainer müssen sich der wichtigen Rolle, die Mundgesundheit bei der Leistungsfähigkeit im Profisport spielt, bewusst werden – auch die Athleten müssen hier Eigenverantwortung zeigen und beispielsweise durch regelmäßige Zahnarztbesuche eine angemessene Prophylaxe leisten. Was für Profis gilt, sollten sich übrigens auch Hobbysportler zu Herzen nehmen: Wer sich gesund ernährt, eine ordentliche Zahn und Mundhygiene betreibt und regelmäßig beim Zahnarzt vorbeischaut, kann Erkrankungen im Mundraum frühzeitig erkennen und gegensteuern.

Deshalb gilt: Wenn es um die Zahngesundheit geht, einfach mal den Mund aufmachen – schaden kann es jedenfalls nicht.

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