sportslife

AUSGABE: 02/2018

Fotos: Red Bull Content Pool, Ruud Baan | Interview/Text: Carina Mehlis

Die Berliner Breakdance-Stars Flying Steps sind mit ihrer Show „Flying Illusion“ vom 17. Mai bis 10. Juni zurück in der Hauptstadt. Ein Interview mit Gründer und Kreativdirektor Vartan Bassil.

Nur ein Spotscheinwerfer erhellt die Bühne. Er wirft den Schatten eines Breakdancers an die Wand. Der Schatten macht sich selbstständig, kämpft gegen sein menschliches Alter Ego. Wie ist das möglich? Mit „Flying Illusion“ haben die vierfachen Breakdance-Weltmeister Flying Steps (Berlin) ein Programm auf die Bühne gebracht, das die Grenzen des Möglichen infrage stellt. Es erzählt die Geschichte des finalen Kampfs von Gut gegen Böse, ausgefochten mit allen Mitteln der Breakdance-Kunst und einem Hauch Magie. sportslife hat Vartan Bassil, Gründer der Flying Steps und Ideenvater der Show, interviewt.

Hallo Vartan, heute schon getanzt?
Vartan Bassil: Leider nein. Ich hatte vor ein paar Jahren einen Bandscheiben-Vorfall, weswegen ich mit dem Tanzen bzw. speziell dem Breakdancen aufhören musste. Gestern war ich allerdings kurz im Einsatz. Wir hatten den Sänger Jorge Blanco bei uns in der Flying Steps Academy zu Gast und ich habe ihm ein paar Basic Moves gezeigt.

Wir geben zu, die meisten aus unserer Redaktion denken bei „Breakdance“ zuerst an Filme wie die „Step up“-Reihe. Wie nah kommen diese der Realität?
Vartan Bassil: Die „Step up“-Filme sind ja in dem Sinne keine Breakdance-Filme. Sie beschäftigen sich viel eher mit den verschiedenen Arten des Urban Dance. Das, was an den Filmen realistisch ist, ist der Fakt, dass du für deinen Traum kämpfen, hart trainieren und dranbleiben musst. Genau das erzählt auch unser Film „Flying Revolution“, mit dem wir dieses Jahr schon auf neun internationalen Film-Festivals waren. Wir mussten sehr viel Mut, Ehrgeiz und Ausdauer aufbringen, um das zu werden, was die Flying Steps heute sind.

Wie kamst du zum Breakdance?
Vartan Bassil: Das war 1990 in meinem Stamm-Jugendclub in Berlin-Reinickendorf mit dem schönen Namen “Snoopy”. In diesem Jugendclub habe ich auch Amigo kennengelernt, mit dem ich 1993 die Flying Steps gegründet habe. Damals standen wir noch total auf Michael Jackson, haben uns am Moonwalk probiert und zu dieser Musik auch Popping Moves kombiniert. Tanzen war damals ein Hobby, etwas, das wir nach der Schule taten, um uns frei zu fühlen. Mit meiner Familie bin ich früh aus dem Libanon geflüchtet, hatte also anfangs noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Aber wenn wir beim Tanzen zusammengekommen sind, war das alles egal. Da haben wir anders kommuniziert und uns auch ohne Worte verstanden.

Irgendwann habe ich dann ein Video gesehen, in dem sie die krassesten Moves gemacht haben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das geht, und dachte, es wären Kameratricks. Erst als ich auf einer Party dann wirklich jemanden live habe breaken sehen, war für mich klar: Das will ich auch können! Aus der Motivation heraus, gegen andere Gruppen anzutreten, wurde 1993 die Crew gegründet. Die Leute wurden auf uns aufmerksam und boten uns Gagen für Auftritte an. Plötzlich verdienten wir Geld mit unserem Hobby. Von da an ging alles seinen Lauf.

Hättest du damals gedacht, dass aus euch eine der erfolgreichsten Tanzgruppen der Welt wird?
Vartan Bassil: Niemals hätten wir das gedacht! Erst neulich haben wir bei einer Veranstaltung einen kleinen Zusammenschnitt von dem gezeigt, was wir in den letzten Jahren so gemacht haben. Ich bin jedes Mal total fasziniert und auch gerührt, wenn ich realisiere, mit welchen großen Unternehmen und Partnern wir zusammengearbeitet haben, wo wir auf der Welt schon überall getanzt haben und wie viele Leute uns mittlerweile kennen. Das ist wirklich verrückt!

Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl, da geht was richtig Großes?
Vartan Bassil: Das war wohl der Moment, in dem die Show „Red Bull Flying Bach“ geboren wurde. Ich war damals oft mit meiner Frau und Schwiegermutter in klassischen Konzerten, habe mich aber immer ein bisschen gelangweilt. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum diese Musik nicht mit Breakdance verbinden? Diese Pirouetten der Ballerinas könnten doch auch Headspins sein! Und so kam eins zum anderen. Wir wurden mit dem Opernregisseur Christoph Hagel bekannt gemacht, gemeinsam haben wir das Konzept erarbeitet. Er war es auch, der uns das „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach vorgespielt hat. Als dann auch noch Red Bull in das Projekt miteinstieg, ging es richtig los.

Mit dieser ersten Show habt ihr euch auch außerhalb der Breakdance-Szene einen Namen gemacht. Jetzt seid ihr mit eurem zweiten großen Projekt auf Tour – „Flying Illusion“. Woher kam die Idee dazu?
Vartan Bassil: Die Idee zur Magieshow hatte ich schon vor Längerem. Sogar schon vor Red Bull Flying Bach. Nur war die Zeit damals noch nicht reif dafür. Niemand konnte sich vorstellen, dass wir es schaffen würden, eine so große Show zu produzieren und sie auf Tour zu schicken. Ich fand Magie schon immer faszinierend, genau wie Breakdance. Zum Beispiel Michael Jacksons „Moonwalk“. Wenn er sich zurückbewegte, obwohl es aussah, als würde er auf der Stelle laufen – als ich das zum ersten Mal sah, dachte ich, das gibt es nicht! Hat er dafür einen speziellen Muskel trainiert oder ist das ein Trick? Und das ist genau das, wo wir hinwollen. Die Leute sollen sich fragen: Ist das Magie oder wahres Können? Wir wollen die Grenzen verschwimmen lassen. Kann Junior wirklich nur auf seinen Händen über die Bühne laufen? Wurde bei dem Salto nachgeholfen? Diese Grenzen auszuloten und dabei Augen zum Leuchten zu bringen, darum geht es bei Flying Illusion. Mit der Show im vierten Jahr nach Berlin zurückzukommen und zum ersten Mal vier Wochen am Stück zu spielen, ist etwas ganz Besonderes für uns.

Kurz und knapp: Welche Geschichte erzählt Flying Illusion?
Vartan Bassil: In einem spektakulären Kampf zwischen Gut und Böse treten zwölf der weltbesten Tänzer gegeneinander an, um für immer über das Schicksal unserer Welt zu entscheiden. Die „Flying Heroes“ treten an gegen die „Dark Illusions“, das Licht der Liebe gegen die totale Finsternis. Atemberaubender Breakdance trifft auf beeindruckende Illusionen und den urbanen Soundtrack eines 34-köpfigen Orchesters.

Wieviel Zeit habt ihr in das Projekt gesteckt, bevor ihr zum ersten Mal aufgetreten seid?
Vartan Bassil: Ich bin nach Las Vegas geflogen und habe mir die großen Shows der Magier angeschaut, von David Copperfield bis Criss Angle. Ich wollte sehen, ob es eine Show gibt, die unserer nahekommt und wo wir stehen. Aber ich habe schnell gemerkt: Die kochen auch alle nur mit Wasser. Was wir vorhatten, war speziell und einzigartig. Es hat ungefähr zwei Jahre gedauert, bis wir mit der Show auf der Bühne waren.

Du selbst hast die Crew zusammengestellt. Wie geht man sowas an?
Vartan Bassil: Wir sind schon immer viel in der Szene aktiv gewesen und haben dort bei Battles jede Menge Leute kennengelernt und auch Freundschaften geschlossen. Es fielen dann auch immer Sätze wie: „Lass doch mal was zusammen machen.“ An diese Leute erinnert man sich dann, wenn man so eine Show plant und überlegt, wer gut reinpassen würde und welche Talente es gibt. Dann stellt man das Team zusammen. Bei uns gibt es keine klassischen Castings oder Auditions, wir gehen direkt auf die Leute zu und sprechen sie an.

Was zeichnet die Flying-Illusion- Crew aus?
Vartan Bassil: Es kommen in dieser Crew zwölf der weltbesten urbanen Tänzer zusammen. Jeder dieser Tänzer hat seinen ganz eigenen Style – von Popping über Locking und Breakdance bis hin zu HipHop Dance ist alles dabei. Unter ihnen sind auch sehr talentierte Nachwuchstänzer, von denen wir heute schon wissen, dass ihnen eine große Karriere bevorsteht.

Viele Crew-Mitglieder kommen aus Frankreich – Zufall oder gibt es dort einfach besonders viele talentierte B-Boys?
Vartan Bassil: Nichts von beiden. Hier spielt wieder der Fakt eine Rolle, dass wir sehr gute Verbindungen nach Frankreich haben. Wir waren dort bei vielen Wettbewerben und Tanztheater-Produktionen dabei, wo wir mit der Zeit enge Freundschaften geschlossen haben. On top ist die HipHop-Szene in Frankreich aber auch sehr groß.

Wie viel Training ist nötig, um die perfekte Illusion auf die Bühne zu bringen?
Vartan Bassil: Das ist schwer zu sagen. Am Ende des Tages muss man sich so lange mit einer Illusion oder einem Thema beschäftigen, bis man die Kontrolle über das Thema hat, denn du kontrollierst den Move und nicht er dich.

Euer Motto bei Choreografie, Musik und Kulisse war „Geht nicht gibt’s nicht“. Kamt ihr trotzdem mal an den Punkt, an dem ihr etwas nicht möglich machen konntet?
Vartan Bassil: Wir sind extra nach Las Vegas gefahren und haben uns dort viel umgesehen, was möglich ist und was nicht. Dort haben wir beispielsweise auch unseren Käfig bauen lassen. Natürlich passiert es immer wieder, dass Dinge nicht funktionieren, egal wie man es dreht und wendet. Aber dann muss man kreativ sein und eine andere Lösung finden. Es gab Illusionen, bei denen wir gemerkt haben, sie sind zu schwach, obwohl Szene und Musik schon geschrieben waren. Dann mussten wir uns was Neues einfallen lassen.
Seit 2014 tourt ihr mit Flying Illusion durch die Welt, laut eurem Tourkalender ist nach dem Stopp in Berlin dieses Frühjahr Schluss. Traurig?
Vartan Bassil: Was heißt Schluss, wir werden sehen, wo unsere Reise danach hingeht. Diese Show liegt uns sehr am Herzen und wir werden sie ganz sicher auch in Zukunft noch spielen. Wir wollen uns aber auch weiterentwickeln und planen deswegen gerade zwei neue Shows, mit denen wir voraussichtlich dieses Jahr noch in den Vorverkauf gehen werden. Es bleibt also spannend.

Vartan, vielen Dank für deine Zeit!

 

Vartan Bassil erklärt die wichtigsten Tanzstile im Urban Dance

Popping
Beim Popping werden die Bewegungen „mechanisch“, durch Muskelkontraktion und -entspannung einem Roboter oder einer Marionette ähnlich ausgeführt und meist mit weicheren Figuren kombiniert. Durch exakte Isolation und Kontraktion einzelner Körperpartien wird die Illusion von Schwerelosigkeit oder ferngesteuerten Bewegungen hervorgerufen. Popping wird vorwiegend im Stehen getanzt und umfasst mehrere Stilrichtungen, Techniken und Tanzrichtungen, unter anderem Tutting, Roboting, Hitting oder Strobing. Die bekannteste Formation, die diese Tanzstile anwendet, sind die Electric Boogaloos.

Locking
Locking hat ein klar definiertes Bewegungsbild, welches sich durch bestimmte Schritte und Bewegungen, die sogenannten Locks, auszeichnet. Alle Bewegungen werden groß, teilweise übertrieben und meist sehr dynamisch getanzt. Typische Locking-Bewegungskombinationen tragen oft Namen aus dem Cartoonbereich, was den Ausdruck und die Intention des Tanzes nochmals unterstreicht. So gibt es Bezeichnungen wie „Skeeter Rabbitt“, „Scooby Doo“, „Tom and Jerry“ oder „Uncle Sam“.

Breakdance
Breakdance, Breaking, B-Boying bzw. B-Girling ist eine ursprünglich auf der Straße getanzte Tanzform. Getanzt wird zu Pop, Funk oder HipHop. In seiner Entstehung wurde der Breakdance maßgeblich vom Rocking, diversen James-Brown- Tanzschritten, dem Bodenturnen sowie den damals populären Kung-Fu- Filmen geprägt. Zu den wesentlichen Elementen des B-Boying zählen Top Rocking (das Tanzen im Stehen), Footworks (das Tanzen auf dem Boden), Freezes (das
Verharren in einer möglichst eindrucksvollen Position) und Powermoves (das Rotieren auf einer Körperstelle oder entlang einer Körperachse). Footworks und Freezes werden häufig auch als Styles zusammengefasst.

HipHop Dance
Das wichtigste beim HipHop ist der Rhythmus – ohne den Rhythmus gibt es keinen HipHop und die Tanzschritte sehen nicht fließend aus, sondern eher merkwürdig. Heutzutage umfasst HipHop Dance alle Tanzarten.

 

GEWINNE EIN MEET & GREET
sportslife verlost Golden-Circle-Tickets für die Show am 19.5.2018 inklusive Meet & Greet mit den Flying Steps für zwei Personen sowie eine Übernachtung mit Frühstück im 4-Sterne-Hotel NH Collection Berlin Mitte Friedrichstraße. Teilnehmen kannst du unter tinyurl.com/yb5hova5.
Übernachtung vom 19.5. auf den 20.5.2018. Teilnehmen können alle Personen über 18 Jahre außer Mitarbeiter der INTERSPORT Deutschland eG sowie deren Angehörige. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Teilnahmeschluss: 31.3.2018.

 

Die Tourdaten und mehr Infos zur Show unter
www.flyingillusion.de.

2 Clicks für mehr Datensicherheit.
Erst wenn Sie hier klicken wird der Button
Ihre Empfehlung an facebook senden.
Dabei werden Ihre Daten an facebook
übertragen.