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AUSGABE: 05/2018

Text: Carina Mehlis

Die Verschmutzung der Weltmeere ist eines der großen Probleme unserer Zeit. Viele Marken und Unternehmen, darunter INTERSPORT, arbeiten aktiv dagegen an. Und auch jeder Einzelne kann etwas tun.

Die sieben Weltmeere nehmen rund 70 Prozent der Erdoberfläche ein. Was wir dabei gerne vergessen: wir sprechen zwar von Weltmeeren in der Mehrzahl, doch eigentlich sind Atlantik, Pazifik & Co. Lagebezeichnungen zur Orientierung in einem großen Ganzen, denn die Ozeane sind alle miteinander verbunden. Durch die unzähligen Strömungen kann ein einzelner Wassertropfen sie über Jahre hinweg alle durchwandern. Nur: was ein Wassertropfen kann, kann leider auch Plastikmüll.

In jedem Quadratkilometer Meer schwimmen heute bis zu 46.000 Teile davon. Sie sind oft so klein, dass man sie mit bloßem Auge gerade noch so erkennen kann. Der geläufige Begriff dafür: Mikroplastik. Jedes Jahr kommen weitere 5 bis 12 Millionen Tonnen Plastikmüll hinzu, etwa eine Lastwagenladung pro Minute. Der größte Teil davon stammt aus Schwellen und Entwicklungsländern, denen die Infrastruktur für die Müllsammlung und -entsorgung sowie für das Recycling fehlt. Doch auch aus unseren Breitengraden gelangt viel Plastik und Mikroplastik in die Meere. Etwa aus unseren Kosmetika. Die enthalten oft Plastikkügelchen, die so klein sind, dass unsere Kläranlagen sie nicht herausfiltern können. Oder aus unseren Waschmaschinen, in denen Kunstfasertextilien bei jedem Waschgang rund 2.000 winzigkleinste Fasern verlieren, die in keinem Sieb hängenbleiben. Dazu kommt der Müll, der achtlos in Flüssen entsorgt und von diesen bis in die Ozeane transportiert wird. Fischerboote, denen Netze verloren gehen, die dann als Geisternetze durch die Meere schweben. Und die großen Handelsschiffe, von denen leider viele noch immer illegal ihren Müll auf hoher See entsorgen oder denen in einem Sturm schon mal ein Container über Bord geht.

WELTBERÜHMTES SEEPFERDCHEN

Der Fotograf Justin Hofman entdeckte dieses Seepferdchen 2017 vor der Küste Indonesiens. Er ließ sich neben ihm im Meer treiben, als plötzlich immer mehr Müll herangeschwemmt wurde. Das Seepferdchen hangelte sich von Seegras weiter bis zu diesem Wattestäbchen. Hofman drückte auf den Auslöser und postete das Bild später auf seinem Instagram-Account: „Ich wünschte, dieses Foto würde nicht existieren, aber nun, da es das tut, möchte ich, dass es jeder zu sehen bekommt.“ Seitdem geht das Foto um die Welt.

Eine Gefahr für Meer und Meerestiere

Der Müll wird von den Strömungen mitgetragen – bis zu den großen Müllteppichen, die mitten im Nirgendwo umhertreiben. Einer der größten ist der Great Pacific Garbage Patch zwischen Hawaii und Nordamerika. Wie erst Ende März bekannt wurde, ist er noch größer als bislang angenommen: Knapp 80.000 Tonnen Plastik treiben dort auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern. Das ist ein Gebiet etwa viereinhalbmal so groß wie Deutschland. Doch wie bei Eisbergen macht auch hier die Oberfläche nur den kleinsten Teil aus. Der meiste Plastikmüll in den Ozeanen sinkt in tiefere Gewässer und auf den Meeresboden.

Wo er auftritt, gefährdet er Lebewesen und Lebensräume. Nach Angaben des WWF verfangen sich jährlich zwischen 57.000 und 135.000 Wale, Robben und Seehunde in den Geisternetzen und sterben. Korallenriffe werden durch Plastik nicht nur verschmutzt, es bringt auch gefährliche Erreger mit sich, die die Korallen angreifen. Fische und Meeresvögel verwechseln den Müll mit Nahrung und vergiften sich daran. Im Frühjahr konnte man in der Dokumentation „Unser blauer Planet“ (ARD) eine Walmutter sehen, die tagelang ihr totes Neugeborenes mit sich trug. Sie hat es vermutlich selbst vergiftet – mit ihrer durch Mikroplastik kontaminierten Milch.

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Recycling gegen die Verschmutzung

Solche Bilder machen wütend und bewirken gleichzeitig ein Gefühl der Ohnmacht. Das Problem Plastikmüll ist in den letzten Jahrzehnten so sehr gewachsen, dass die Menschheit es nicht mehr eindämmen kann. Oder doch? Tatsächlich gibt es einige Bemühungen, dem Müll in den Meeren Herr zu werden. Wichtige Vorreiter sind Textilfirmen, die das Plastik und andere Abfälle zu neuen Garnen und Stoffen recyceln. Die Outdoormarke VAUDE beispielsweise arbeitet schon seit Jahren mit solchen Firmen zusammen und stellt Outdoorkleidung her, die zum Teil aus alten Fischernetzen oder PET-Flaschen besteht.

Auch die INTERSPORT-Gruppe verwendet bei ihren Eigenmarken zum Teil nachhaltige Garne und Materialien, und das nicht nur im Outdoorbereich. Die im vergangenen Sommer vorgestellte TECNOPRO-Badekollektion, die gemeinsam mit der Ex-Profischwimmerin Franziska van Almsick entwickelt wurde, ist aus ECONYL-Garn hergestellt. ECONYL sammelt monatlich rund 1.000 Tonnen Nylon aus Industrie- und Verbraucherabfällen wie Teppichen, Textilien oder Fischernetzen. Durch Upcycling wandelt die Marke den Nylonmüll in Recyclinggarn um und wurde dafür 2014 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Sonderkategorie „Ressourcen-Effizienz“ ausgezeichnet.

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Selbst aktiv werden

Auch wir Verbraucher können aktiv zum Schutz der Meere beitragen. Ein erster Schritt ist, Kleidung aus Recyclingfasern wie ECONYL zu kaufen. Man erkennt sie oft an einem Blick ins Etikett oder an Hängeschildern, die auf Nachhaltigkeitssiegel hinweisen. Diese Label garantieren meist nicht nur ein nachhaltiges Produkt, sondern auch einen umweltschonenden Herstellungsprozess. Danach gilt: Je länger die Lebensdauer eines Kleidungsstücks, desto kleiner ist sein ökologischer Fußabdruck. Wird es also zu klein oder gefällt nicht mehr, kann man es immer noch verschenken oder verkaufen. Viel Spaß machen auch Kleidertauschpartys im Freundes- oder Bekanntenkreis. Und natürlich sollte man seinen Müll immer richtig entsorgen. Auch im Urlaub am Strand, wo viele ihren Abfall gerne einfach liegen lassen. Die Organisation 4Ocean hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Müll einzusammeln, bevor er von Wellen und Flut ins Meer getragen wird. Man kann sie mit dem Kauf eines 4Ocean-Armbands (20 Dollar pro Stück, weitere Infos unter 4Ocean.com) unterstützen und damit Pate von einem Pfund gesammelten Mülls werden. Wichtig ist im Prinzip nur, überhaupt etwas zu tun. Denn die Verschmutzung der Weltmeere geht uns alle an – nicht erst, wenn das Plastik durch die Nahrungskette wieder auf unseren Tellern landet.

TECNOPRO-Produkte

Mode meets Nachhaltigkeit Mädchen-Schwimmanzug Flo für 29,99 €, Tankini Finja für 44,99 €, Bikini Flore für 24,99 €, Shorts Fritzi für 29,99 € und Kinder-Badehose Felix für 29,99 €, alle aus der Fanziska-van-Almsick-Kollektion von TECNOPRO mit ECONYL-Garn

 

 AUF EINEN BLICK: DAS STECKT HINTER DEN BEKANNTESTEN NACHHALTIGKEITS-LABELS UND RECYCLINGGARNEN 

 

 IVN BEST 
Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft. Es zertifiziert nur Naturfasern, die aus 100 Prozent kontrolliert biologischem Anbau stammen. Regenerat- und Synthetikfasern sind ausgeschlossen.

 GOTS 
Siegel des Global Organic Textile Standard. Der Standard hat ein sehr hohes Niveau und umfasst den gesamten Herstellungsprozess vom Anbau bis zum fertigen Produkt. Naturfasern dürfen bis zu 30 Prozent künstliche Fasern beigemischt werden.

 BLUESIGN 
Eines der verbreitetsten Siegel weltweit, mit dem viele bekannte Marken zusammenarbeiten. Der Standard hat die umfassendste Negativliste schädlicher Chemikalien. Außerdem nennt bluesign auf einer Positivliste u. a. echte Alternativen zu PFC.

 EU ECOLABEL 
Der Standard ist Teil des europäischen Umweltlabels. Er ist ein eher massentaugliches Label mit mittlerem Anspruch hinsichtlich Chemikalienmanagement.

 ECONYL 
Aus Industrie- und Verbraucherabfällen (vor allem Plastikmüll) regeneriertes, hochfunktionelles Garn, das auch in der Sportmode namhafter Marken Verwendung findet.

 BIONIC YARNS 
Garne, die aus Plastikmüll an den Küsten und aus dem Meer hergestellt werden. Sie finden in Kleidung, Schuhen, Taschen, Autositzverkleidungen und Deko-Artikeln Anwendung.

 S.CAFÉ 
Garn aus Kaffeesatz und Polyesterfasern alter PETFlaschen. Es absorbiert Gerüche, reflektiert UVStrahlen und hat ein gutes Feuchtigkeitsmanagement. Mehr Info zu S.Café und daraus hergestellte McKINLEY-Outfits auf Seite 82.

 TENCEL 
Aus Holz gewonnene Faser mit feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften, die gänzlich ohne Erdöl hergestellt wird und zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist.

 RE:NEWCELL 
Aus Stoffresten und Altkleidern wiedergewonnene, baumwollähnliche Watte, die zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet wird.

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